Internationale Perspektiven: Zwischen den Nöten der UN und den Ambitionen der EU
Keine Konferenz unter dem Dach der Vereinten Nationen vergeht mehr, in der nicht die Dringlichkeit radikaler Maßnahmen zum Schutz der Erdatmosphäre vor vermeidbaren Belastungen durch Industrieabgase beschworen wird – bei gleichzeitiger Betonung der Priorität forcierten Wachstums, vor allem durch die großen Schwellen- und Entwicklungsländer.
Vor diesem Hintergrund übertrifft sich die EU in immer neuen programmatischen Vorgaben, in welchen sie die Herausforderungen des Klimawandels, der Energiesicherheit und der Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit im Kontext der galoppierenden Globalisierung integrieren will. So forderte unlängst der frühere Präsident der EU Kommission die feste Institutionalisierung einer gemeinsamen Energie- und Energieaußenpolitik nach den Vorbildern von Euratom und der frühen Kohle- und Stahl-Union.
Gleichzeitig kritisierte der European Court of Auditors die EU für die uneffektive Verwendung der 250 Millionen Euro für ihr letztes Programm zur Förderung des Energiesparens.
Nach Schätzungen der G8-Staaten beläuft sich der voraussichtliche Investitionsbedarf zur Entwicklung klimafreundlicher Energiesysteme bis 2030 auf 20.000 Milliarden US-Dollar – zu begleiten von einem erheblich verstärkten Engagement der Industriestaaten beim Technologietransfer, unter größtmöglicher aktiver Einbeziehung der privaten Wirtschaft.
Auf der globalen Ebene ist – gemessen an den erkannten Herausforderungen – der Mangel an leistungsfähigen institutionellen Strukturen am dringendsten. Von einer fairen und nachhaltigen Vermittlung der Möglichkeiten und Interessen von Lieferanten von Energierohstoffen – in weitester Perspektive bis hin zu Solarwasserstoff im Großmaßstab –, von Transit- und Verbraucherländern kann in Anbetracht der derzeitigen Weltmarktstrukturen und Kartellpolitiken kaum die Rede sein.