Horizont 2022: Ausstieg aus dem Atomausstieg oder Fortsetzung der Energiewende?
2002 traf die rot-grüne Bundesregierung mit den Energieversorgungsunternehmen eine Vereinbarung über den Ausstieg aus der Atomenergienutzung. Auf deren Grundlage wurde in einer Novellierung des Atomgesetzes die schrittweise Abschaltung der Atomkraftwerke bis ca. 2022 festgelegt. Unter Verweis auf Deutschlands Energieabhängigkeit, insbesondere vom russischen Erdgas, sowie auf die steigenden Energiepreise und den Klimawandel mehren sich neuerdings wieder die Rufe nach der Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken, zum Teil sogar nach dem Bau neuer Anlagen.
Dessen ungeachtet will die deutsche Energiewirtschaft bis 2020 rund 200 Milliarden Euro in die Erneuerbare Energieversorgung investieren. Voraussetzung dafür wäre jedoch das verbindliche Festhalten am Ausstieg aus der Atomenergie, während der Zweifel hieran die Investoren in flexible Erneuerbare-Energien-Kraftwerke offenkundig verunsichert.
Aktuell liegt der Anteil der erneuerbaren Energien beim Strom in Deutschland bei rund 15 Prozent, mit weiterhin stark anwachsender Tendenz: Für 2014 erwartet juwi bereits einen Anteil der Erneuerbaren an der Stromversorgung von über 30 Prozent, für 2020 sogar schon rund 60 Prozent. Aber nur wenn dafür die Infrastruktur (Netze) geschaffen wird. Die hohe Attraktivität dieses Szenarios liegt in der Kombination aus der wachsenden Unabhängigkeit von Energieimporten und der Aussicht auf eine dauerhaft preisstabile, umweltfreundliche Energieerzeugung sogar im Grundlastbereich.
Ein schnell anwachsender Anteil erneuerbarer Energien fordert von dem bis auf weiteres noch dominanten konventionellen Kraftwerkspark, dass er in der Übergangszeit so flexibel wie möglich auf die variable Einspeisung erneuerbarer Energien reagiert – ein starkes Argument gegen Neuinvestitionen in große Gas- und Kohlekraftwerke. An deren Statt fordern die einschlägigen Verbände verstärkte Anreize der Politik für den Bau regenerativer Kombikraftwerke sowie für den vorauslaufend notwendigen Ausbau der Stromnetze.
Für eine andere viel beschworene Alternative, den Bau von „sauberen“ Kohlegroßkraftwerken mit CO2-Abscheidung, stehen die Nachweise der rechtzeitigen Machbarkeit zu marktfähigen Preisen noch aus.